Sandra Zeidler

Weite des Glaubens

Sandra Zeidler  »Müde bin ich, geh zur Ruh« – jeden Abend habe ich als Kind mit diesem Gebet beschlossen. Meine Mutter saß neben mir. Wir wohnten neben dem evangelischen Kindergarten, manchmal hat mich meine Oma über den Zaun gehoben. Der Kindergarten wurde geleitet von Diakonissen, meine hieß Schwester Emmi. Wie selbstverständlich bin ich in die »Kinderstunde« gegangen, dann in die »Jungschar« und als 14-Jährige zum Jugendbund. Wir sangen viel, wir lasen in der Bibel, es gab einen Gebetskreis, und ab und an kam ein »Prediger« aus Marburg, uns die Bibel auszulegen. Wir sind zum Wandern gefahren und zu Freizeiten auf die Hensoltshöhe bei Gunzenhausen.

Aber irgendwann mit 16, 17 kam eine andere Zeit. Da wurde vieles für mich fragwürdig, manche Sichtweise zu eng, auch die Antworten aus dem Jugendbund zu schwarz-weiß. Ich habe mich nicht mehr engagiert. Zu Beginn des Studiums war klar, dass es Deutsch sein musste – und was noch? Religion. In dem Maß, wie die Lehrveranstaltungen in Deutsch mir immer fader wurden, stieg mein Interesse an Religion. Der Wechsel zur Volltheologie war folgerichtig. Der Beruf der Pfarrerin war damals nicht auf meinen Navigationsgerät.

Heute bin ich glücklich als Pfarrerin. Und auch wenn sich die theologische Richtung geändert hat, muss ich doch oft daran denken, wie wir gebetet haben im Jugendbund: Leg alles auf Christi Schultern, damit er sich drum kümmern möge.
 
SANDRA ZEIDLER ist Pfarrerin in der Kircheneintrittsstelle in München.