Dr. Thomas Popp
Ergriffen von Jesus
»Nicht dass ich’s schon ergriffen habe ...« Mit diesen Worten beschreibt Paulus seinen Glaubensweg. An ihm lässt sich ablesen: Biografie und Theologie sind eng verflochten. Die jeweiligen Lebenserfahrungen wirken sich auf die Gottesbeziehung und das theologische Denken aus. Wenn ich an mein Unterwegssein im Glauben denke, fällt mir zunächst meine Kindheit ein. Mich bewegte von klein auf die Sehnsucht nach mehr. Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass dieses Leben alles sein soll – ganz im Sinne meines Sohnes, der mit gut vier Jahren sagte: »Papa, über dem Himmel ist die Unendlichkeit.«
Eine wegweisende Erfahrung war die Lektüre des Neuen Testaments. Als ich 16 war, las ich – ohne kirchliches Umfeld – jeden Abend vor dem Einschlafen eine Seite. Die Liebe zum Buch der Bücher erfüllt mich bis heute. Einen großen Einschnitt markierte meine lutherisch-pietistisch geprägte Jugendgruppenzeit. Sie war ambivalent. Ich verdanke ihr gute Freunde und eine Stabilisierung meiner Christusbeziehung. Allerdings verband sich mit dieser Mitte nicht die entsprechende Weite, sondern gut gemeinte Engführung.
Nicht zuletzt die wissenschaftliche Arbeit am Neuen Testament weitet meinen Horizont. Dazu kommen Brüche in meinem Leben, die mich barmherziger mit mir und anderen machen. Auch und gerade mein bruchstückhaftes Leben und Glauben werden gewürdigt. Das trägt mich und macht mir Beine. Oder mit Paulus zur Sprache gebracht: »... ich jage ihm aber nach, ob ich’s ergreifen könnte, weil ich von Jesus Christus ergriffen bin.«
DR. THOMAS POPP ist Pfarrer der bayerischen Kirche. Im Amt für Gemeindedienst Nürnberg arbeitet er im Team »Missionarische Gemeindeentwicklung« mit Schwerpunkt Hauskreisarbeit.
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