Ulrike Aldebert
Der solidarische Gott
Geprägt von einer lebendigen Jugendarbeit in meiner Münchner Heimatgemeinde, begann ich nach dem Abitur zunächst mit dem Studium der Religionspädagogik, wollte den Dingen dann aber gründlicher auf die Spur kommen und wechselte zum Theologiestudium. Da ich aus einem nicht akademischen Elternhaus stamme, musste ich mir während meines Studiums Geld verdienen. Als Schwesternhelferin übernahm ich Sitzwachen im Krankenhaus und arbeitete in der Altenpflege. Die Erlebnisse dort ließen mich die theologischen Fragen immer schon auf ihre Lebensrelevanz hin prüfen. Die Grundfrage lautet bis heute für mich: Was bringt der Glaube dem einzelnen Menschen? Wie verändert es einen, wenn man mit Gott rechnet? Warum lohnt sich das Christentum?
Mein Beruf – zunächst als Vikarin in Mittelfranken, später als Gemeindepfarrerin an der St. Lukaskirche in München, in Icking und nun in Tutzing – gibt mir täglich neu Antwort darauf: ob es die engagierten Ehrenamtlichen sind, von denen unsere Kirche lebt, ob ein Mensch eine schwere Operation vor sich hat und mit der Angst kämpft, ob jemand dem Tod hautnah begegnet und existentielle Fragen aufbrechen oder ob man schlichtweg seiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen möchte – Gott ist Antrieb und Energie, Trost und Halt, Gegenüber und der tiefste innere Schatz. Christus verkörpert mir den nahen, zutiefst mit den Menschen solidarischen Gott – eine humane, diakonische und politische Kirche ist mir daher wichtig. Und immer wieder füllt sich mit Erfahrung, was mein Konfirmationsspruch sagt: Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern tappen, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12).
ULRIKE ALDEBERT ist Pfarrerin in Tutzing und Mitglied der bayerischen Landessynode.
