Uwe Birnstein

Weisheit der Bibel

Uwe Birnstein  Der Hauch der Glaubensfreiheit wehte mir erstmalig im Konfirmandenunterricht durch Hirn und Herz. Wolfgang Augustin hieß der Pastor, der uns Interessierte auf liebevoll-distanzierte Weise ernst nahm. Unsere kritischen Fragen, unsere pubertären Unsicherheiten und Überheblichkeiten parierte er mit schlichtem Dasein und geduldigem Zuhören.

Einmal meinte ich, ihn in die Enge treiben zu können: Die Bibel sei ein Märchenbuch, den Glauben, den sie fordere, könne ich keinesfalls annehmen, denn die Erde war (und ist) meiner Überzeugung zufolge nicht in sechs Tagen erschaffen worden. Unaufgeregt machte mir der Pastor klar: Der Bibel sind Glaubenswahrheiten wichtig, nicht historische Fakten. Der Schöpfungsbericht sei ein leidenschaftlich frommes Plädoyer dafür, dass Gott die ganze Welt erschaffen habe. Dieses Argument öffnete mir die Sinne für den Glauben.

Nach und nach hebe ich seitdem die tiefen Weisheiten, die in der Bibel verborgen liegen. Augustin sei Dank! Nicht nur meinem Pastor, sondern auch dem gleichnamigen Kirchenvater, dessen »Bekenntnisse« mich seit meinem Theologiestudium beeindrucken. »Unser Herz ruht nicht, bis es in dir ruht, Gott«, sagte der am Ende seines durch viele Lebenserfahrungen und Wirrnisse reichen Lebens. Noch bin ich unruhig. Das wird sich geben.
 
UWE BIRNSTEIN ist evangelischer Diplom-Theologe, 47 Jahre, arbeitet als Journalist und Publizist in München. Seit 2003 ist er Kolumnist des Sonntagsblatts. Letzte Buchveröffentlichung: »Der Reformator – Wie Johannes Calvin Zucht und Freiheit lehrte«, Wichern-Verlag Berlin 2009.