Schirmherrschaft

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich ist Schirmherr von Basiswissen Christentum

Christliche Spiritualität als Lebens- und Deutungsmodell

Landesbischof Johannes Friedrichnix.gif »Für die Reformatoren, namentlich für Philipp Melanchthon, aber eben auch für Martin Luther, war es klar, dass Glaube nicht lernbar ist. Der Glaube als Gottvertrauen ist ein Geschenk Gottes, und Gott selbst ist es, der uns das Herz dafür öffnet, dass wir ihm vertrauen können.

Das wird schon in der Auslegung zum 3. Artikel des Glaubensbekenntnisses im Kleinen Katechismus Luthers deutlich, wenn es dort heißt: »Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann. Sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten«.

Dennoch hängt für die Reformatoren der Glaube eng mit dem Lernen zusammen. Sonst hätten sie nicht so viel Energie darauf verwandt, den Unterricht in der Kirche in vielen Bereichen zu erneuern. Und sonst hätte Luther es auch nicht für nötig gehalten, seine Katechismen abzufassen. Dass Glaube und Bildung aus protestantischer Sicht eng zusammengehören, ist unstrittig. Dass Glaube und Mission zusammengehören, denke ich, ebenfalls.

Nicht wenige Menschen bilden sich und ihre Persönlichkeit dadurch weiter, dass sie sich religiösen Fragen gegenüber öffnen und nach konkreten Antworten fragen. In diesen Prozess kann sich die Kirche, besser noch: die Kirchengemeinde vor Ort hilfreich einschalten. Dabei wird es darauf ankommen, keine »fertigen Antworten« unter das Volk mischen zu wollen, sondern sich auf eine offene Auseinandersetzung einzulassen. Ziel muss sein und bleiben, dass die Fragenden die christliche Spiritualität als ein mögliches Lebens- und Deutungsmodell kennenlernen und in einer ganzheitlichen Auseinandersetzung damit zu einer eigenen Antwort kommen.

Ich begrüße es daher ausdrücklich, dass das Sonntagsblatt einen eigenen Glaubenskurs plant. Ich gratuliere zu diesem Vorhaben und wünsche von Herzen eine möglichst große, interessierte Leserschaft. Wer weiß: Vielleicht erfahren Sie und ich dabei ja auch noch Dinge, die wir bisher so nicht gesehen haben!«

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich