2. Abraham

Mit Abraham schloss Gott seinen Bund. An ihm werden die Verheißungen Gottes sichtbar. Der Erzvater Israels spielt auch in der Theologie des Paulus und im Islam eine bedeutende Rolle. » Weiterlesen!
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Ergänzende Texte zu dieser Folge:
Abraham – Vater im Glauben für drei Religionen
Glaubenskurs Teil 2: Abraham – Glaubensvater für die drei Religionen Christentum, Judentum und Islam
Mit Abraham schloss Gott seinen Bund. An ihm werden die Verheißungen Gottes sichtbar. Der Erzvater Israels spielt auch in der Theologie des Paulus und im Islam eine bedeutende Rolle.
Abraham ist einer der Großen der Menschheitsgeschichte. Die Historiker sehen ihn am Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. im Dunkel verschwinden, manch einer bezweifelt seine geschichtliche Existenz. Doch Abraham ist tief verwurzelt in unserem kollektiven Gedächtnis. Was die Bibel in ihrem ersten Buch als Familiensaga über Abraham, Sara und Hagar, über seine Söhne Isaak und Ismael schildert, das alles gehört zu den großen Geschichten, von deren Wahrheit wir leben, auch wenn sich niemand für ihre historischen Ursprünge verbürgen kann.
Da ist Abraham – der Vater aller Flüchtlinge und Migranten. Aus Ur in Chaldäa, dem heutigen Irak, zieht er los mit seiner ganzen Sippe ins Land Kanaan, das heutige, unter anderem auch wegen Abraham so bitter umkämpfte Israel/Palästina. Die Bibel sagt, weil Gott ihn ruft (1. Mose 12,1-8): »Geh aus deines Vaters Haus … in ein Land, das ich dir zeigen will«. Nicht die Not, die einen Menschen zum Flüchtling macht, oder menschliche Übermacht, die einen unterdrückt und zwingt, sein Glück woanders zu versuchen, nicht darauf legt die biblische Geschichte Abraham fest. Sie redet von Verheißung, sie redet davon, dass Abraham glaubt, sich fest macht in Gott – und aufbricht. Sie redet vom dreifachen Segen: an und für Abraham selbst, an denen, die Abraham begegnen, und zuletzt an und für alle Geschlechter der Erde. So wird der Migrant Abraham zum geistlichen Stammvater aller Menschen, die in den Aufbrüchen und Schicksalsschlägen ihres Lebens glauben, sich an Gott binden und Zukunft finden.
Aber dieser Glaube wird geprüft. Wie kaum ein anderer der Religions- und Menschheitsgeschichte wird Abraham hin- und hergerissen zwischen unglaublichen Verheißungen und bittersten Enttäuschungen. Dem kinderlosen Paar Abraham und Sara verheißt Gott einen Sohn (1. Mose 15). Der bleibt aus, sie versuchen es mit Leihmutterschaft, und Abraham zeugt mit der Ägypterin Hagar, Saras Dienerin, den gemeinsamen Sohn Ismael. Dann wird Isaak geboren, der alten, unfruchtbaren Sara schenkt Gott doch noch einen Sohn. Alles wird gut.
Und dann ruft Gott Abraham ein zweites Mal: »Geh« sagt er wieder, »geh für dich« mit Isaak auf die Höhe (1. Mose 22). Abraham versteht aus diesen Worten, dass er seinen Sohn Isaak als Brandopfer darbringen soll. Gehorsam zieht er los, den Berg Morija hinauf, den Juden, Christen und Muslime in der heutigen Jerusalemer Altstadt verorten. Hier, so heißt es, fesselte Abraham seinen Sohn auf das Feuerholz, »streckte seine Hand aus, um seinen Sohn zu schlachten«. Da kommt ihm in letzter Sekunde der Engel des Herrn dazwischen und stoppt ihn. Hat Abraham da etwas missverstanden? Ist die Geschichte ein religionsgeschichtliches Zeugnis, das von der Ablösung der bisher praktizierten Menschenopfer durch Tieropfer erzählt? Geschieht hier ein entscheidender Schritt zur Humanität? Nimmt die Bibel hier schon das Prophetenwort vorweg, nach dem Gott keine Opfer will von uns Menschen, sondern Barmherzigkeit? Oder war alles ein Test Gottes, der herausfinden will, ob er sich verlassen kann auf einen gehorsamen, ergebenen Gläubigen?
Abrahams Geschichten inspirieren Künstler und Philosophen über alle Epochen hinweg. Als Urvater dreier Religionen – Judentum, Christentum, Islam – hat er allerdings auch unzählige Kriege heraufbeschworen. Im heutigen Hebron etwa stehen sich jüdische Siedler und Palästinenser wie nirgendwo sonst verfeindet gegenüber. Nicht zuletzt das Grabmal Abrahams, das er einst für seine Frau Sara hier erwarb (1. Mose 23) – sein einziger Landerwerb übrigens – sorgt immer wieder für neuen Zündstoff.
Heute macht Abraham Karriere im interreligiösen Dialog. Ausgerechnet auf ihn setzt man, da sich der Streit der drei Religionen seit dem 11. September 2001 über die gesamte Welt verbreitet hat. Man redet von abrahamitischen Religionen und meint, in Abraham eine gemeinsame Wurzel ausmachen zu können zwischen Judentum, Christentum und Islam. Es gibt abrahamische Foren, Gesprächskreise und abrahamische Segensfeiern. Gerade von christlicher Seite wird Abraham so gesehen, wobei er anders als im Judentum und im Islam nicht zum Zentrum des christlichen Glaubens gehört. Er kommt nicht vor in christlichen Gebeten und Bekenntnissen, kein Zeichen, kein heiliger Ort ist ihm in unserer Frömmigkeit gewidmet.
Abraham ist »unser aller Vater im Glauben«, sagt Paulus (Römer 4), aber so, dass alles, was mit ihm beginnt, sich in Jesus Christus erfüllt. Wenn Christen von einer abrahamischen Ökumene reden und sie im Namen Abrahams einfordern, müssen sie zuerst diesen großen Unterschied bedenken. Für Juden und Muslime führt Abraham ins Herz ihres Glaubens, für Christen ist das Jesus Christus.
ABRAHAM IM ALTEN TESTAMENT UND IM JUDENTUM:
Vielleicht lässt sich Abrahams Geschichte im Umfeld der semitischen Völkerwanderung einordnen, die sich im Vorderen Orient in der mittleren Bronzezeit (2100 bis 1600 v. Chr.) abspielte. Sicher ist, dass Abraham ein theologisches Programmwort im ersten Buch der Bibel ist. Abraham ist der erste der drei Erzväter und der Ursprung, der Erst-erwählte des Volkes Israel. Als Kinder Abrahams verstehen sich die Israeliten. Und die Väter- bzw. Erzelterngeschichten sind Ausdruck des Staunens über Israels Geschichte und das Wirken Gottes darin. Mit diesen Geschichten vergegenwärtigt man sich das eigene Werden, die eigene Identität. Abraham sollte von dorther stammen, wo die Urgeschichte (1. Mose 1-11) katastrophal geendet hatte, nämlich aus dem Land des Turmes von Babel. Von dort also unternimmt Gott mit Abraham, d. h. mit seinem erwählten Volk, einen Neubeginn. Zum anderen werden große Teile der Geschichte Abrahams (1. Mose 12-26) zu einer Zeit aufgeschrieben, da judäische Exulanten im sogenannten babylonischen Exil unter persischer Fremdherrschaft lebten; dass Gott mit Abraham einen Bund schließt (1. Mose 17) und ihn mit der Beschneidung besiegeln lässt, wurde zum identitätsstiftenden Merkmal für ein Israel ohne Tempel. Und Abrahams Aufbruch und Auszug aus Ur in Chaldäa zu einem Zeichen der Hoffnung auf Heimkehr...
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