1. Die Schöpfungsgeschichte

 »Der vierte Schöpfungstag«, Leipzig, 1860. Die ersten Kapitel der Bibel beschreiben die Erschaffung des Universums, des Menschen und seiner Umwelt. Was bedeuten die Texte der Genesis für den Glauben und wie verhalten sie sich zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaft? Wie verhält sich der Glaube zu Darwinismus, Kreationismus und Intelligent Design? » Weiterlesen!

Diskutieren Sie mit im Forum!
 
Ergänzende Texte zu dieser Folge:

 

Wie die Welt wurde

Glaubenskurs Teil 1: Die Schöpfung – der Beginn der Heilsgeschichte Gottes mit dem Menschen

 
Die ersten Kapitel der Bibel beschreiben die Erschaffung des Universums, des Menschen und seiner Umwelt. Was bedeuten die Texte der Genesis für den Glauben und wie verhalten sie sich zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaft?
 
Gleich am Beginn der Bibel steht einer der gewichtigsten Verse der Heiligen Schrift: »Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde«. Das ist der Leitsatz, unter dem Gottes wunderbares Schöpfungswerk beschrieben wird. Der Vers 1. Mose 1,1 steht wie eine Überschrift über dem Text, der danach folgt.
Logischerweise war kein Zeitzeuge, kein Protokollant dabei, als Gott die Welt erschuf. Wer hat also den Text geschrieben? In welcher Zeit ist er entstanden? Wie kam der Schreiber zu seinen Erkenntnissen? Und was bedeutet dieses Wissen im Verhältnis zu modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Theorien über die Entstehung der Welt?
Nach 1. Mose 1,1-2,4a schuf Gott erst Licht und Finsternis, dann die Himmelsfeste und das Wasser, Land und Meer, Gras, Kraut und Bäume, Sonne, Mond und Sterne, Vögel, Fische und die Landtiere. Dann den Menschen als Krone der Schöpfung. In diesem Text wird in geprägter Sprache Gottes Schöpfungswerk beschrieben. Am Anfang eines jeden Schöpfungstages steht das Wort Gottes (»Es werde…«), gefolgt von der Bestätigung »und es geschah so«. Gott betrachtet sein Tageswerk und »sah, dass es gut war«.
 
AUF DEN ERSTEN BLICK ein poetischer Text, ein Hymnus auf den Schöpfer – und doch erstaunlich vollständig, in seiner Fülle und Reihung doch irgendwie nah am wissenschaftlichen Bild der Entstehung der Erde und des Lebens. Kann man darin also doch so etwas wie ein himmlisches Protokoll der ersten Ereignisse sehen?
Spannend ist nun, dass ab 2. Mose 2,4b ein zweiter Schöpfungsbericht folgt, der sich vom ersten Bericht deutlich unterscheidet. Er beginnt mit der Erschaffung des Menschen, dann legt Gott – in Gestalt eines freundlichen Gärtners – den Garten Eden an und setzt den Menschen hinein. Gott schafft erst danach Tiere, Vögel und zur Vollendung seines Werkes Eva – ein konzentrisches Modell mit ganz und gar anderer Reihenfolge: Im ersten Bericht ist der Mensch die Krone der Schöpfung, im zweiten wird er von Gott in den Garten Eden hineingesetzt, bevor er Landtiere, Vögel und schließlich Eva erschafft.
Beide Texte widersprechen sich nicht nur im Ablauf, sondern auch in Ausdrucksweise, Stil und in der Verwendung unterschiedlicher Bezeichnungen für Gott. Die beiden Erzählungen wurden offensichtlich von zwei verschiedenen Verfassern zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Situationen geschrieben.
Der erste Bericht in 1. Mose 1,1-2,4a mit seinem Sieben-Tage-Schema ist der jüngere Text und vermutlich zur Zeit des babylonischen Exils des Volkes Israel (586 bis 538 v. Chr.) entstanden. Nach der Vertreibung aus dem eigenen Land und gefangen gesetzt im Exil kamen die Israeliten mit den Schöpfungserzählungen der babylonischen Religion in Kontakt: Gestirne waren dort Götter, Naturphänomene hatten göttlichen Charakter. Und diese Göttergeschichten werden verbunden mit Erfahrungen der Menschen im mesopotamischen Zweistromland. Eine wesentliche Erfahrung war die ständige Bedrohung durch Überflutungen. Man erlebte die hereinbrechenden und zerstörenden Wassermassen und den Rückgang der Fluten, wo aus einem Urmeer in wüster Finsternis wieder Licht und festes Land wurde, als immer neuen Chaoskampf der Götter.
Die Schöpfungsgeschichte der Israeliten nimmt diese Vorstellungen auf, verändert sie aber. Das urzeitliche Chaos ist nicht Götterkampf, sondern Schöpfung: Gott schafft Licht und festes Land, allein durch sein souveränes Wort. Die Macht Gottes zeigt sich auch darin, dass Gott dem Geschaffenen Namen gibt.
Freilich ist auch der biblische Schöpfungsbericht in mythologischer Sprache geschrieben, wenn es heißt: »Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und Gott nannte die Feste Himmel.« Das entspricht der antiken Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe ist, das Land umgeben von Wasser, oben ebenfalls Wasser. In der Sintflutgeschichte heißt es entsprechend (1. Mose 7,11): »Es öffneten sich die Fenster des Himmels«. Die Bibel übernimmt hier das bis in die Antike geltende Weltbild mit den drei Stockwerken Erde, Himmel und Hölle.
 
ISRAEL ÜBERNIMMT ALSO DEN WORTLAUT des babylonischen Schöpfungsmythos, befreit ihn aber von mythologischen Elementen, wenn es heißt: »Es werden Lichter an der Feste des Himmels ... und Gott machte zwei große Lichter, ein großes, das den Tag regiere, ein kleines für die Nacht, dazu die Sterne. Und Gott setzte sie an den Himmel.« Für die Babylonier war dies unvorstellbar, sie verehrten Sonne, Mond und Sterne als Götter. Die Hebräer betonten nun: Gott hat sie gemacht. Dazu gehört auch die religionskritische »Spitze«, dass Gott das Licht (erster Tag) lange vor den »Lichtern« (vierter Tag) geschaffen hat.
Der entscheidende Unterschied zu den babylonischen Schöpfungsmythen ist das Bekenntnis Israels zu seinem Gott als Schöpfer: Gott hat die Welt geschaffen. Damit grenzte sich Israel von den fremden Kulten in einem fremden Land deutlich ab...
Diskutieren Sie mit im Forum!
 
Den vollständigen Text lesen Sie als Glaubenskurs-Abonnent des Sonntagsblatts. Bestellen Sie jetzt!