Texte zu Folge 1 (Genesis): Kreationismus
Was ist Kreationismus?
Hätte Gott die Erde vor 6000 Jahren erschaffen, dann hätte er gleich die Fossilien mit erschaffen – oder sie wurden viel schneller abgelagert, als es die Paläontologie lehrt. Wäre es dann nicht möglich, dass die versteinerten Fußabdrücke eines Menschen neben denen eines Sauriers gefunden werden können? Ein Überblick über die Motive und Vorstellungen von Kreationismus und Intelligent Design.
DER KREATIONISMUS hat zum Ziel, die Autorität der Bibel zu verteidigen. Sein Ausgangspunkt ist die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift auch in Fragen der Natur- und Weltgeschichte, vor allem die naturkundliche Richtigkeit der biblischen Urgeschichte. Daher bestreitet er die Richtigkeit der wissenschaftlichen Evolutionsbiologie, Geologie und Kosmologie. Er bestreitet die lange Dauer der Erd- und Weltgeschichte und geht stattdessen von einem Weltalter von 6000 bis höchstens 10.000 Jahren aus.
DIE GEOLOGISCHEN SCHICHTEN samt den darin enthaltenen Fossilien wurden nach Ansicht des Kreationismus vor und während der Sintflut oder kurz darauf abgelagert. Die heute existierenden Lebewesen hätten sich nicht in einer langen Stammesgeschichte aus einfacheren Vorfahren entwickelt, wie es die Evolutionstheorie lehrt. Vielmehr seien alle lebenden und ausgestorbenen Arten einzeln oder als Grundtypen von Gott geschaffen worden. Dies gelte auch und vor allem für den Menschen. Der Kreationismus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA und verbreitete sich seit etwa 1970 auch im deutschen Sprachraum und in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland.
INTELLIGENT DESIGN: Die Bewegung für ein intelligentes Design vertritt in den USA seit etwa 1990 die Auffassung, dass sich die Entstehung der komplizierten Merkmale der Lebewesen nur durch intelligente Planung erklären lasse. Ihre Organe, wie zum Beispiel das Auge, seien »unreduzierbar komplex« und könnten deshalb nicht durch ein Wechselspiel von beliebigen Veränderungen des Erbguts (Mutation) und verschiedenen Fortpflanzungsarten (Selektion) entstanden sein. Damit wendet sich die Vorstellung eines intelligenten Designs gegen die Erklärung der Biologie für die Stammesgeschichte der Lebewesen, nämlich gegen die Selektionstheorie und deren heutige Weiterentwicklung.
DAS ARGUMENT für ein intelligentes Design steht für ein Naturbild, nach dem die Natur und die Lebewesen auf ein Ziel ausgerichtet sind und sich aufgrund ihres »inneren Vervollkommnungsstrebens« dorthin entwickeln. Man sah in der Zielgerichtetheit der Natur einen Beweis für den Schöpferwillen Gottes. Intelligentem Design geht es also nicht um die Natur der Dinge, sondern um den daraus zu erschließenden Gott. Weil die Erklärungen der Evolutionstheorie unzureichend seien, müsse es einen Intelligenten Designer geben.
HINTER DEM KREATIONISMUS steht das protestantisch-fundamentalistische Verständnis der Heiligen Schrift, nach dem »die biblischen Texte über die Entstehung der Welt und des Lebens auf der Erde als naturwissenschaftliche Aussagen und gleichzeitig als unwiderlegbare göttliche Offenbarung zu gelten haben.«
Große Teile der Naturwissenschaft werden durch den Kreationismus abgelehnt und durch alternative Thesen ersetzt, die man wie folgt zusammenfassen könnte:
Die Erde ist weniger als 10.000 Jahre alt. Sie wurde einschließlich aller Lebewesen und des Menschen in sechs Tagen erschaffen, wie die Bibel es sagt.
Die Lebewesen wurden von Gott so geschaffen, wie sie heute sind, oder als Grundtypen, aus denen die heutigen Arten in wenigen Tausend Jahren hervorgingen.
Die Sintflut war ein weltweites, erdgeschichtliches Ereignis. Die geologischen Ablagerungen einschließlich der Fossilien entstanden durch die Sintflut oder kurz danach.
In der ursprünglichen Schöpfung gab es keine Sünde und keinen Tod. Der Tod kam erst durch den Fall des Menschen in die Welt. Vorher starb kein Lebewesen.
Diese Thesen werden durch oft falsche Annahmen gestützt. Alternativ wird behauptet, das Universum sei von Gott so geschaffen worden, einschließlich radioaktiver Zerfallsprodukte, des Lichts zwischen den Sternen, der Fossilien usw., dass es den Eindruck großen Alters vermittelt. In Wirklichkeit ist es wenige Tausend Jahre alt.
Die derzeit gültige Evolutionstheorie brachte in Verbindung mit der modernen Genetik entscheidende Veränderungen und Fortschritte mit sich. Der Kreationismus ist entgegen seinem eigenen Anspruch nicht imstande, diesen Ergebnissen eine wissenschaftliche Alternative entgegenzusetzen.
Quelle: www.gemeindedienst.info/weltanschauung
Gesprächsimpulse:
Weitere neutestamentliche Texte zur Schöpfung: Römer 1,18-32, Römer 8,19-25, 1.Korinther 15,35-58, 2.Korinther 4,7-5,10, Epheser 1,3-14.
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