8. Der Name Gottes

»Lasst uns Menschen machen« – Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.« Bis zum Glauben an den einen Gott hat auch Israel eine Entwicklung durchgemacht. Im Alten Testament begegnet Gott als Schöpfer, Befreier, Beschützer und helfender Begleiter. » Weiterlesen!
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Ergänzende Texte zu dieser Folge:
Der sehende Gott
Glaubenskurs Teil 8: Der Name Gottes - Gottesbilder im Alten Testament
Mit den Gottesnamen und den Gottesbildern im Alten Testament hat es eine seltsame Bewandtnis: Gott offenbart seinen Namen und verhüllt ihn zugleich. Er hat keinen Namen und viele. Das Alte Testament verbietet, sich ein Bild von Gott zu machen, und dennoch ist es voll von Gottesbildern.

Namen und Bilder bergen in sich eine große Gefahr: Sie können magische Züge annehmen und vermitteln unter Umständen den Eindruck von Verfügbarkeit. Aber der Gott des Alten Testaments bleibt unverfügbar und frei. Namen und Bilder sind Momentaufnahmen, die immer nur einen Aspekt Gottes zeigen. Gott selbst ist immer größer als alle Namen und Bilder.
Erst im Neuen Testament hat sich Gott in seinem Wesen gezeigt und so gleichsam verfügbar gemacht. »Christus Jesus ist das Bild des unsichtbaren Gottes« (Kolosser 1,15). »Sein Name ist über allen Namen« (Philipper 2,9). Er bedeutet »Gott rettet«. Das ist das Wesen Gottes, das sich im Alten Testament immer mehr andeutet und das in der Menschwerdung Jesu endgültig und eindeutig offenbar ist.
DIE SELBSTOFFENBARUNG des Namens Gottes in der Bibel durchläuft viele Phasen, bis sie im Namen Jesu zur Vollendung kommt. Am Anfang steht die Bezeichnung Elohim, was eine Art Gattungsbezeichnung ist und einfach »Gott« oder auch »Götter« bedeutet (so im ersten Vers der Bibel 1. Mose 1,1: »Am Anfang schuf Elohim Himmel und Erde«). Bei Abraham nennt sich Gott El Schaddai, was vermutlich so viel wie »der Schreckliche« oder »der Gewaltige« heißt. Als Jakob am Fluss Jabok mit einer unheimlichen Nachtgestalt ringt und nach dem Namen des Wesens fragt, wird ihm eine Antwort verweigert. Seltener taucht im Alten Testament auch der Begriff eljon (»Höchster«) als Gottesbezeichnung auf.
Auch Mose fragt am brennenden Dornbusch nach dem Namen des Gottes, der ihm im Feuer begegnet und ihn sendet, damit er Israel aus der Sklaverei befreit. Gott aber offenbart ihm keinen Namen, sondern beschreibt sein Wesen: »Ich bin, der ich bin« (2. Mose 3,14) oder »Ich werde sein, der ich sein werde«. Manche übersetzen diese Selbstoffenbarung auch einfach mit »Ich bin da«.
Der wichtigste und geheimnisvollste Gottesname im Alten Testament ist JHWH, das »Tetragramm«, was so viel bedeutet wie »die vier Buchstaben«. Da es im Hebräischen keine Vokalzeichen gibt und nur diese vier Konsonanten schriftlich überliefert sind, weiß man nicht, wie dieser Name ursprünglich ausgesprochen wurde - wenn er denn überhaupt ausgesprochen werden durfte. Vermutlich wurde er schon bald mit einem Tabu belegt. Immer wo das Tetragramm im hebräischen Text auftauchte, las der fromme Jude adonai (Herr). Luther hat das in seiner Übersetzung übernommen und den Gottesnamen immer mit HErr (mit zwei Großbuchstaben am Anfang) wiedergegeben. Erst Jahrhunderte nach der Niederschrift der alttestamentlichen Bücher wurden Vokalzeichen erfunden. Um den versehentlichen Missbrauch des Gottesnamens auszuschließen, versah man JHWH mit den Vokalzeichen von adonai. Wenn man das nicht weiß, liest man statt Jahwe oder Adonai »Jehova« - ein völlig unsinniges Wort, das auf Unkenntnis beruht. Auch der Name »Jehovas Zeugen« beruht auf diesem Missverständnis.
Im 1. Buch Mose wird JHWH nur selten gebraucht. Erst im 2. Buch Mose stellt Gott sich im Zusammenhang mit der Begegnung am Dornbusch bei der Berufung des Mose unter diesem Namen vor (2. Mose 3). Der Text betont seine Identität mit dem »Gott der Väter«, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der noch keinen Namen hatte, sondern nach seinen Verehrern benannt wurde. Dass JHWH und der Gott der Väter miteinander identifiziert werden konnten, hing mit ihrem Wesen zusammen: Wie die Vätergötter ist JHWH ortsunabhängig und führt und bewahrt sein Volk als Gott, der immer und überall da ist und mitgeht.
Der Wechsel der Gottesnamen im Alten Testament, insbesondere der Wechsel zwischen Elohim und JHWH, hat dazu geführt, dass man im 19. Jahrhundert drei verschiedene Quellenschriften der fünf Bücher Mose rekonstruierte. Allerdings häufen sich in jüngster Zeit die Zweifel an dieser Darstellung.

Eine der bewegendsten Erzählungen der hebräischen Bibel ist die Geschichte Hagars, der Sklavin Abrahams (1. Mose 16 und 21,8-19). Da Sara, Abrahams Frau, keine Kinder bekommt, schlägt sie vor, dass die Sklavin Hagar als eine Art »Leihmutter« dienen könnte. Das war nach damaligem »Recht« möglich. Hagar wird schwanger - und dadurch überheblich gegenüber ihrer Herrin Sara. Sara beklagt sich bei Abraham, und der gibt seiner Frau die Vollmacht, mit der Sklavin zu tun, was sie für richtig hält.
Der Gottesname Hagars: Der Gott, der sieht
Die schwangere Hagar flieht vor den Demütigungen ihrer Herrin in die Wüste. Dort begegnet ihr der Engel Jahwes und fragt, woher sie kommt und wohin sie will. Er schickt sie zurück zu Sara. Aber er stärkt ihr den Rücken. Er verspricht ihr eine große Nachkommenschaft. Ihr Sohn Ismael (»Gott hört«) soll ein unbeugsamer und wilder Mann werden. Hagar fühlt sich verstanden und »gesehen«. Deswegen »nannte sie den Namen Jahwes, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss habe ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat.« (1. Mose 16,13). Die Erfahrung, bei Gott »in Ansehen zu stehen«, gibt ihr die Kraft, zu Abraham und Sara zurückzukehren. Gott ist durch diese Begegnung kein allgemeiner Name mehr, sondern er wird zu Hagars persönlichem Gott. Der hörende Gott inspiriert sie dazu, ihren Sohn Ismael zu nennen. Der »sehende Gott« - das wird ihr ganz persönlicher Gottesname.
Als Sara später doch schwanger wird, will sie, dass Abraham Hagar und Ismael vertreibt, damit ihr Sohn Isaak Alleinerbe wird. Das missfällt Abraham; aber Gott ermutigt ihn, seiner Frau zu folgen. Isaak soll zum Stammvater des Gottesvolks werden. Aber auch Ismael soll zu einem großen Volk werden. Hagar und Ismael irren in der Wüste umher und verdursten fast. Da tritt abermals der Engel Gottes in Erscheinung und spricht: »Fürchte dich nicht, denn Gott hat die Stimme des Knaben gehört!« Hagars Augen werden geöffnet, sie findet einen Brunnen und »Gott war mit dem Knaben«.
DU SOLLST DEN NAMEN JAHWES nicht missbrauchen! Das 2. Gebot verbietet den »Missbrauch« des Namens Gottes. Im Kleinen Katechismus legt Martin Luther das so aus: »Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.« Er trifft damit den Nagel auf den Kopf. Gott lässt sich nicht zu egozentrischen Zwecken oder als Waffe gegen andere Menschen instrumentalisieren. Der Fluch fällt auf den Fluchenden zurück...
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