»Geboren von der Jungfrau Maria«

Was evangelische und katholische Theologen zur Jungfräulichkeit Marias sagen
Eine Aussage aus den biblischen Berichten macht heute sehr vielen Menschen Schwierigkeiten, obwohl (oder weil) sie auch im Glaubensbekenntnis genannt wird: Jesus sei »geboren von der Jungfrau Maria«. Besonders die katholische Kirche hält unverrückbar fest an dieser Aussage, doch haben auch die Reformatoren nie in Frage gestellt, dass Maria ihr Kind jungfräulich empfangen hat.
Der katholische Theologe Eugen Drewermann schreibt allerdings: »Alle Versuche, die Erzählung von der Geburt des Herrn in der sogenannten Wirklichkeit der äußeren Tatsachen heimisch zu machen, führen im Grunde zu nichts... Der Stern, der an dem Ort eines Königskindes wacht, ist nicht ein Gegenstand im Raum, sondern eine Vision des Herzens. Desgleichen ist die 'jungfräuliche Geburt', als mythisches Symbol, ein Wunder der Seele, nicht des Leibes, eine Wandlung und Verjüngung des Bewusstseins, keine äußere Begebenheit.«
Dieser Linie folgen auch die meisten modernen evangelischen Theologen. Doch durchaus nicht alle. So betonte der große Schweizer Theologe Karl Barth die Jungfräulichkeit Marias ausdrücklich. Barth bezeichnet die Jungfrauengeburt als »Zeichen der Fleischwerdung des Wortes, auf dass ihr wisset, dass wir es hier mit der freien Gnade zu tun haben«. Das Wunder der Offenbarung Gottes in Jesus Christus muss jeglichem menschlichen Zugriff entzogen sein. Durch diese besondere, einmalige Form der Geburt wird Jesus als wahrer Sohn Gottes erwiesen.
Klaus Berger, emeritierter Neutestamentler, betont, dass alle Kirchen zu allen Zeiten und sogar der Islam niemals Zweifel an der Jungfräulichkeit Marias angemeldet haben. Erst die protestantische Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts habe damit begonnen - quasi als Zugeständnis an den Zeitgeist. Demgegenüber hält Berger fest am Bekenntnis, denn auch für ihn erweist das biblische Zeugnis von der Jungfrauengeburt, dass in dem Menschen Jesus Gott selbst auf die Erde gekommen ist.
Die 2003 verstorbene Theologin Dorothee Sölle blickt mit den Augen der Unterdrückten auf die Weihnachtsgeschichte. Sie sieht in dem Bericht, dass Maria ihren Sohn ohne Dazutun eines Mannes geboren hat, ein Zeichen für die subversive Sichtweise der Bibel, die dem armen, rechtlosen (weil unverheirateten) Mädchen Maria die Geburt des Befreiers Jesus zuschreibt.
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