Franziskuslegenden

Franziskus-Fresko in der Kirche von Assisi.

Zwei Legenden bringen das kritische Verhältnis des Franziskus zu Geld und Besitz deutlich zum Ausdruck:

 
Geldbesitz war den Mönchen des Franziskus streng verboten. Doch ein Besucher der Kirche hatte eine Münze vor das Kruzifix in Portiuncula gelegt, als ein gut gemeintes Opfer, das dem Kloster zugute kommen sollte. Ein Bruder nahm die Münze und legte sie behutsam in einer Fensternische der Kirche ab. Franziskus sah das und verlangte von dem Bruder, dass er die Münze mit dem Mund vom Fenstersims aufheben und außerhalb des Klosters - immer noch mit dem Mund - auf einem Haufen Eselsmist ablegen sollte. Geld, so Franziskus, sei nämlich nichts weiter als Mist.

Ein anderes Mal sei eine arme Frau zu den Mönchen gekommen und habe sie in ihrer Not um ein Almosen gebeten. Die Mönche hatten nichts weiter als ein Neues Testament bei sich. Dies war freilich eine Kostbarkeit: Man brauchte - lange vor Erfindung des Buchdrucks - in den Kopierwerkstätten der Klöster etwa ein Jahr, um eine Bibel abzuschreiben! Doch Franziskus sagte seinen Brüdern leichthin: »Gebt der Frau das Neue Testament. Sie soll es verkaufen um ihrer Not willen. Das Buch ermahnt uns, den Armen zu Hilfe zu kommen. Ich glaube, es gefällt Gott mehr, wenn wir es verschenken, als wenn wir darin lesen!«